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Halogenfreiheit von Leitungen


Das Feuer und die Folgen 

Halogenfreie Schleppkettenleitungen bringen mehr Sicherheit im Brandfall Ursache dafür, dass die Folgeschäden oft höher sind, als der eigentliche Brandschaden sind die beim Abbrennen von PVC freigesetzten korrosiven Gase.
Datenleitungen, Steuerkabel und Schleppkettenleitungen sollten bei Maschinen und Anlagen halogenfrei flammwidrig ausgeführt sein. Halogenfrei flammwidrige Werkstoffe verlangsamen das Ausbreiten eines Brandherdes und setzen keine korrosiven Schadstoffe frei.

Kabel, wenn sie dank beigemischter Halogene als besonders flammwidrig gelten, erkaufen sich diesen Nutzen mit einer störenden Eigenschaft: Im Brandfall, also bei thermischer Einwirkung, spalten die Werkstoffe unter starker Rauchentwicklung korrosive und toxische Schadstoffe ab, also z.B. Halogenwasserstoffe und organische Halogenverbindungen, unter anderem Dioxine. Zusammen mit dem bei einem Brand immer entstehenden Wasserdampf bilden sich daraus Säuren, z.B. Flusssäure und Salzsäure. Das Einatmen dieser Säuredämpfe reizt und verätzt die Atemwege. Schlägt sich der Dampf auf kühleren Oberflächen nieder, können die Säuretröpfchen ganz beträchtliche Sachschäden anrichten, z.B. auch an elektronischen Einrichtungen. Selbst Stahlbeton kann durch Korrosion zerstört werden, die solche säurehaltigen Brandgase anrichten. Die Brandfolgeschäden können ohne weiteres ein Vielfaches der Kosten des eigentlichen Brandschadens erreichen, z.B. durch umfangreiche Betonsanierung oder wenn ein Gebäude deshalb gar abgerissen werden muss.
Nicht zu unterschätzen ist auch die starke Rauchentwicklung, wenn sich Ruß und Säurepartikel miteinander verbinden. Der Rauch behindert die Orientierung, begünstigt panisches Verhalten, erschwert die Lokalisierung des Brandherdes und damit auch die Löscharbeiten. Fachleute messen deshalb der Rauchentwicklung während eines Feuers größere Bedeutung zu als der Wärme- entwicklung.
Die beschriebenen Wirkungen der Rauchgase lassen sich nur reduzieren, wenn alle Kunststoffe, also auch Kabeln und Leitungen aus Werkstoffen bestehen, die keine Säure bildenden Halogene enthalten, also weder Fluor, Chlor, Brom oder Jod. Die Flammwidrigkeit lässt sich stattdessen mit Mantelmischungen aus flammwidrigem Thermoplast HM2 oder widerstandsfähigem Polyurethan (PUR) erreichen. Halogenfreie Daten- und Steuerleitungen, bei denen diese Materialien verwendet werden, stehen heute in großer Auswahl zur Verfügung. Wir haben zahlreiche praxisgerechte Lösungen im Programm. Sie erfüllen alle einschlägigen Bestimmungen, die in einer ganzen Reihe von Normen festgeschrieben sind:

So sind die Thermoplastausführungen halogenfrei gemäß IEC 60 754-1 bzw. VDE 0472, Teil 815. Die Rauchgasdichte ist gering (Low Smoke Emission) und entspricht der VDE 0482, Teil 268; der Sauerstoffindex beträgt 30 - 36 %. Die Prüfung des Sauerstoffindexes wurde zuerst in der amerikanischen Vorschrift ASTMD 2863 beschrieben und gibt den prozentualen Anteil an Sauerstoff in einem Stickstoff/Sauerstoffgemisch an, bei dem eine entzündete Werkstoffprobe gerade noch weiter brennt. Brände werden nicht weitergeleitet (IEC 60 332-3 sowie VDE 0482, Teil 265/266, bzw. IEC 60 332-1/2). Das Brennverhalten der PUR-Ausführungen entspricht ebenfalls den Anforderungen der IEC 60 332-2. Sie zeichnen sich darüber hinaus noch durch ihre Resistenz gegenüber aggressiven Kühl- und Schmiermitteln aus.
Auch hinsichtlich ihrer Brandlastwerte schneiden die flammwidrigen halogenfreien Kabel in Versuchen im Vergleich zu PVC Ausführungen gut ab. Unter Brandlast versteht man die beim Brand eines Kabels freigesetzte Energie. Sie setzt sich zusammen aus den Heizwerten aller in ihm verwendeten Werkstoffe. Da verschiedene Kunststoffe auch unterschiedliche Heizwerte haben, wird die Brandlast durch die Art und die Menge der einzelnen brennbaren Komponenten bestimmt. weil nun der Heizwert halogenfreier Mantelmischungen, wie HM2, etwas geringer ist als der einer flexiblen PVC-Mantelmischung, haben - bei sonst identischem Aufbau  - Kabel mit halogenfreiem, flammwidrigen Mantel einen etwas geringeren Brandlastwert als PVC-ummantelte Kabel.
Halogenfreie Kabel und Leitungen kann man heute in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen nutzen. Für den Einsatz bei Fernmeldegeräten oder Datenübertragungsanlagen gibt es spezielle Datenleitungen. Sie haben zwei bis 40 Adern bei Aderquerschnitten von 0,14 mm2 bis 0,75 mm2. Zusätzlich gibt es Ausführungen, bei denen die Adern zum Schutz vor elektrischer Kopplung paarweise verseilt sind. Halogenfreie Steuerleitungen eignen sich z.B. für Einsätze im Anlagen-, Apparate- und Werkzeugmaschinenbau oder für Heizungs-, Klima- und Lufttechnik. Bei Außendurchmessern von ca. 5 mm bis ca. 30 mm sind hier - einschließlich Schutzleiter - zwei bis 34 Adern möglich.

Für Anwendungen bei denen bewegte Anlagenteile verkabelt werden müssen, gibt es hochflexible Schleppkettenleitungen. Sie eignen sich für höchste Biegebeanspruchung, z.B. bei der Energie- und Datenversorgung von Robotern, Werkzeugmaschinen, in der Transport- und Fördertechnik und grundsätzlich überall dort, wo im Dauerbetrieb viel bewegt wird. Es gibt sie mit drei bis 25 Adern mit Querschnitten zwischen 0,5 mm2 und 10 mm2 und auch mit zwei mal zwei bis zwölf mal zwei paarweise verseilten Adern. Zusammen mit speziellen Verschraubungen, die die Kabel bei Zug nicht nur punktuell, sondern großflächig entlasten, garantieren sie höchste Sicherheit gegen Aderbruch und "Korkenzieherbildung". Auch in "bewegten Applikationen" lassen sich so durch den Einsatz halogenfreier Leitungen Brandfolgeschäden für Menschen und Sachwerte deutlich reduzieren.

Hochflexible Schleppkettenleitungen in halogenfreier Ausführung reduzieren mögliche Folgeschäden eines Brandes.